StartseiteDie Kirchenmaus von St. Fidelis

Die Kirchenmaus informiert!
Heute: Alles über mich
Hallo Leute!
Meine Familie gibt es schon lange in St. Fidelis, aber hier im Blättle bin ich ein Neuling!
Das Redaktionsteam suchte nach einem rasenden Reporter, der überall hinkommt,
alle Fragen gründlich recherchiert, sich in Fidelis gut auskennt, neugierig ist, gut
(zu)hören kann und mit einem schwäbischen Lob und einem Kanten altem Brot zufrieden ist.
Da dachte ich mir: das ist mein Job!
Die nächstliegende Frage war natürlich: über was soll ich denn berichten? Die „großen“ Probleme werden
selbstverständlich im Kirchengemeinderat gewälzt und es wird regelmäßig darüber informiert.
Also werde ich mir mal die Mitarbeiter und Gebäude vorknöpfen! Seien Sie darauf gefasst, dass ich überall
hinkomme und dass ich die wirklich wichtigen Frage stelle. Beispiele? Na klar! Folgendes hat mich schon immer
interessiert: warum kichern eigentlich manchmal die Ministranten? Sonnt sich der Pfarrer im Pfarrgarten?
Wie jugendlich ist das Jugendzentrum? Wer staubt die Kirche ab? Wird die Bibel beim Bibel-Teilen gerecht
geteilt?
Wenn Ihnen oder Euch schon längst eine Frage zu St. Fidelis unter den Nägeln brennt, dann schreibt mir
unter dem Stichwort „Frage an die Kirchenmaus“ . Die Postadresse oder Email-Adresse steht auf der letzten
Seite der Kirchlichen Mitteilungen. Die Dame im Pfarrbüro leitet die Post umgehend zu meinem Mauseloch.
Seid pfiffig gegrüßt von Eurer Kirchenmaus

Uni-Professor als Ministrant?!

Horst-Alfred Heinrich ist Professor an der Universität Passau und ministriert regelmäßig im Gottesdienst in St. Fidelis.
Dies machte die Kirchenmaus neugierig und sie hatte Gelegenheit, ein kleines Interview zu führen.

Kirchenmaus:
Horst-Alfred, Du bist tatsächlich ein ordentlicher Professor an der Uni Passau?
Was lehrst Du? Und wie ist Deine Verbindung zu Stuttgart?
Horst-Alfred Heinrich:
Ich lehre „Methoden der empirischen Sozialforschung“ an der Uni Passau und ich bin Politikwissenschaftler. Meist bin ich von Montag bis Mittwoch in Niederbayern. Mein Wohnort ist allerdings im Stuttgarter Westen und damit gehöre ich zum Gemeindegebiet von St. Fidelis.
Kirchenmaus:
Drei Tage arbeiten hört sich nach Teilzeit an.
Horst-Alfred Heinrich:
(lacht) Nein – ich habe eine 100%-Stelle. Die Tage in Passau sind sehr lang und wenn ich in Stuttgart bin, nutze ich die Zeit, zu forschen, heisst: zu lesen, neue Erkenntnisse zu bekommen, Arbeiten von Studierenden zu betreuen und vieles mehr.
Kirchenmaus:
Wo spielt sich dein geistliches, spirituelles Leben ab?
Horst-Alfred Heinrich:
In Passau gehe ich zwar manchmal in das nahegelegene Nikola-Kloster, aber hauptsächlich spielt sich mein spirituelles Leben in St. Fidelis ab. Durch meine Hochschultätigkeit habe ich auch eine besondere Verbindung zum Studenten-Pfarrer Matthias Haas.
Kirchenmaus:
War Deine Spiritualität schon immer auf die katholische Kirche ausgerichtet?
Horst-Alfred Heinrich:
Ich wurde evangelisch getauft, aber der Glauben wurde nicht vertieft. Später entwickelte ich mich zum Agnostiker: ich wusste nicht, ob es Gott überhaupt gibt; die Existenz war für mich damals nicht geklärt. Ein Todesfall im Bekanntenkreis war für mich der Ausschlag nach und um zu denken. Die Art und Weise (z.B. wurde der Rosenkranz zwischen Tod und Beerdigung regelmäßig in der Gruppe für den Verstorbenen und die Hinterbliebenen gebetet) und deren Symbolik hat mich beeindruckt; sie gaben mir Ruhe.
Auch das Wandern auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela - zusammen mit meiner Frau - hat mir gezeigt, dass es noch mehr geben muss.
2008 trat ich dann in die katholische Kirche ein, und wir haben uns danach vom Pfarrer Raible in der Kapelle des Marienhospitals kirchlich trauen lassen.

Kirchenmaus:
Du bist neben Ministrant auch Kommunionhelfer, Lektor und Mitglied in der Schola an St. Fidelis; wie kam es dazu?
Horst-Alfred Heinrich:
Es ging Schritt für Schritt! Beim Ausflug zum Gießen unserer neuen Glocken sprach mich die Mesnerin an, ob ich nicht Lust hätte, Kommunionhelfer zu werden. Bei einem Gottesdienst, an dem ein Lektor fehlte, bat mich der Studentenpfarrer diese Aufgabe zu übernehmen; bei meinem Beruf dürfte das doch kein Problem sein! Nachdem ich vor circa zehn Jahren angefangen hatte zu singen und Pfarrer Benk mitteilte, es würden Interessierte für ein Schola-Projekt gesucht, sagte ich mir: Toll, das ist eine Gelegenheit!
An einem Karfreitag gab es keinen Akoluthen zum Tragen der Kerzen – da sprang ich ein.
Dabei merkte ich, wie wichtig mir das Handeln im Gottesdienst ist, was Symmetrie im gemeinsamen Tun für mich bedeutet: sie bringt die Ruhe, die für die Liturgie notwendig ist.
Kirchenmaus:
Wir erleben Dich am Sonntagabend immer wieder im Gottesdienst als Ministrant; was bedeutet Dir dieser Dienst am Altar?
Horst-Alfred Heinrich:
Für mich ist es am schönsten, wenn wir als Ministranten paarweise am Altar unseren Dienst tun; die Symmetrie trägt viel dazu bei, ein ruhiges Bild im Chorraum zu erhalten. Das Messgewand hilft mir, meine Rolle einzunehmen; es verpflichtet mich, die Würde zu wahren. Ich versuche, mich auf die Liturgie zu konzentrieren und bin immer wieder überrascht, welche Stimmungen in mir entstehen. Zum Beispiel, wenn der Priester vor Kelch und Hostienschale eine Kniebeuge macht: wie viel Respekt und Ehrfurcht steckt in dieser Handlung, in diesem Symbol!
Der ganze Ablauf hat eine innere Ordnung – da gibt es keine Show!
Kirchenmaus:
Was würdest Du einem Erwachsenen sagen, der sich für den Ministrantendienst interessiert?
Horst-Alfred Heinrich:
Jeder, der interessiert ist, kann mich gerne ansprechen. Mein Appell ist:
Wenn du Lust hast, vor Menschen zu agieren, wenn du dafür offen bist, innere Erfahrungen zu machen, dann trau dich!

Kirchenmaus:
Herzlichen Dank Prof. Dr. Horst-Alfred Heinrich für diesen Einblick in dein Leben und in deinen Glauben.

Interview zum Download finden Sie [HIER] [40 KB]